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Kidnapped

Kidnapped

Secuestrados (Originaltitel) ist ein kleiner Psycho-Thriller-Bastard aus Spanien, der am Ufer des Mainstream Fluss entlang pirscht und aus dem Grund wohl leider von vielen Übersehen wird. Dabei macht Regisseur Miguel Ángel Vivas in seinem ersten Spielfilm nahezu alles Richtig und lässt schon in der Eröffnungssequenz sehr viel Raum für Interpretationen.

Dort begleiten wir den Hauptdarsteller auf der Fahrt zu seinem neuen Haus, dabei macht seine Mimik dem Zuschauer sofort klar, dass er sichtlich zufrieden mit seinem Leben ist und wohl alles, in eben seinem Leben, nach seinen Wünschen gelaufen ist. Ohne natürlich zu Wissen was noch kommen wird und das hat es wahrlich in sich … Dieser Kontext wird jedoch erst am Ende des Streifens ersichtlich, wenn sich der Ausgang des Geschehens wie eine Gewitterwolke über dem Kopf des Zuschauers zusammen zieht.

Das realistische Szenario schockt von der ersten Minute an und wird sich zum Ende hin, zu einem alptraumhaften Wechselbad der Gefühle steigern, in dem kaum Zeit zum Durchatmen bleibt. Den Großteil der unglaublich faszinierenden und eindringlichen „Fesselgriff-Optik“ verdankt Kidnapped diesem Pseudo-Reality-Doku-Stil, der durch eine Erstklassige Kameraführung suggeriert wird und dabei hochprofessionell wirkt! Auch kommt die Handlung sofort auf den Punkt und vergeudet keine Zeit mit Nebensächlichkeiten. Der Psycho-Terror beginnt schon, nach einer kurzen Vorstellung der Hauptpersonen, mit der knapp fünfzehnten Minute Spielzeit, durch das zerbersten des Fensters. Schnell wird von den Tätern, die Familie in ihre Gewalt gebracht und das Haus nach Wertgegenständen durchsucht. Doch um noch mehr abzukassieren fährt einer der Täter mit dem Vater los, um Geldautomaten in der Gegend abzuklappern, während die restlichen zwei Täter, sowie Frau und Tochter und der später eintreffende Freund der Tochter, zu Hause bleiben.

Von da an wird durchweg voll auf das Gaspedal getreten, so dass die knapp 80 Minuten (ohne Abspann) wie im Flug vergehen und dem Zuschauer fast im Minutentakt kleine, schwer Verdauliche Happen zugeworfen werden, die man am schockierenden Ende des Films erst mal alle „komplett zerkauen“ muss, um das ganze Ausmaß des Geschehens, das hier vorgefallen ist, realisieren zu können.

Auch den Umstand, der durch die Trennung der Familie entsteht, macht sich Director Vivas später gekonnt zunutze und liefert, durch den Einsatz der Split-Screen Technik, doppeltes Leid und zweifache Qualen, um die ohnehin schon kaum noch zu ertragende Dramatik, noch zu Steigern. Denn während auf der Tour des Vaters noch alles in relativ geordneten Bahnen verläuft, sofern man davon überhaupt noch Reden kann, überschlagen sich Zuhause schon die Ereignisse. Dabei ist es schwer, noch einen klaren Kopf zu bewahren, weil die zügellose Grausamkeit, zum Ende hin, fast ins Unerträgliche gesteigert wird.

Die Atmosphäre, die hier aufgebaut, pausenlos weiter hochgefahren und am Ende mit einem Schlag in der Magengrube, beim Zuschauer entladen wird, ist eine inszenatorische Wucht und dürfte ohne Probleme wohl für fünf Hollywood-Mainstream-Schinken reichen. Überzeugende, glaubwürdige Darsteller, düstere Locations, packende Kameraführung, explizite Gewaltexzesse die kaum zu verkraften sind und natürlich, ein Ausgang der Geschichte ohne Happy-End, heben Kidnapped in den Thriller-Himmel … Wertung: 10/10

Zur VÖ:

Die deutsche Blu-ray mit SPIO/JK-Freigabe ist ungeschnitten und seit dem 01.12.2011, wie die DVD, auf Liste A indiziert, was ja im Zensurstaat Deutschland kein Wunder ist. Also bleibt dem geneigten Film-Freak mal wieder nur der Weg über den Import-Händler, aber in Zeiten des „World-Wide-Web“ dürfte das, kein Problem mehr darstellen! Naja, wie dem auch sei, die Blu-ray liefert ein Bombastisches Bild (2,35:1 - 1080/24p) und einen überaus realistischen Ton (DTS-HD MA 5.1), außerdem verfügt sie über ein Wendecover … Ist also jeden Cent wert und mit knapp 11,- Euro auch recht günstig …

Nachtrag:

Ein Wort noch zur Akustik: Durch das perfekt positionierte Surround-Panorama, werden wichtige Details glaubwürdig im Raum platziert und die beklemmende Grundstimmung wird noch intensiviert.