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Flash Point

Flash Point

Was für eine visuelle Wucht, mit der uns Regisseur Wilson Yip die grandiosen Fight-Szenen auf die Leinwand zaubert. Die Kamera ist zu jederzeit verspielt, dreht und zoomt um die Protagonisten das es eine Freude ist, nimmt sogar kurz in einer entfernten Vogelperspektive Platz um den Zuschauer den kompletten Überblick zu gewährleisten und behält dabei trotzdem das Geschehen jederzeit im Mittelpunkt. Und Mittendrin in dieser Wahnsinnigen Optik entfesselt Hauptdarsteller und Action-Director Donnie Yen die akrobatischen Meisterleistungen, die man kaum in Worte zu fassen vermag, Wahnsinn! Spektakuläre Kampfszenen, fiese Griffe, brachiale Judoka-Moves, harte Kicks und brutale Punches lassen mir kaum Zeit nach Luft zu schnappen und die Emotionsgeladene Choreographie fährt mir durch die Glieder. Selbst als die letzten End-Credits langsam nach oben ziehen und im Schwarz des CinemaScope-Balken verschwinden, starre ich immer noch in voller Ekstase auf die nun tiefschwarze Leinwand, erst langsam merke ich wie mein Adrenalin-Pegel voller Zurückhaltung sinkt und meine Seele ganz gelassen, in meinen Körper, zurückgleitet. So etwas nenne ich Action, begleitet von pumpenden Klängen, die treibend das Geschehen auf der Leinwand unterstützen! Unfassbar, was Donnie Yen jedes Mal aufs Neue für brillante Choreographien aus dem Ärmel schüttelt und dabei mit einer Körperbeherrschung und Realitätsnähe aufwartet, die man schon selbst sehen muss, um es begreifen zu können. Eindeutig einer der, wenn nicht DER begabteste Kämpfer am Action-Himmel, dem hoffentlich, endlich bald, der Ruhm zuteil wird, den er verdient hat.

Zum Glück besinnt man sich in Hongkong auch noch auf alte Tugenden und verzichtet auf den hektischen Schnitt bei Actionszenen, der ja grad in Hollywood an der Tagesordnung ist, nur um die MTV-Generation mit ihrer Videoclip-Ästhetik hinterm Ofen vor zu locken.

Bis hier her, ist der Film wirklich eine einzige Lobeshymne und das dürfte wohl auch für alle Donnie Yen Fans reichen, denn genau das erwarten wir ja von ihm. Doch leider tritt die genannte, hervorragende Action aus Kampf und Baller-Sequenzen erst in den letzten 20(!) Minuten in Erscheinung. Erinnert dabei oft an Old-School Actionfilme der achtziger Jahre was Kompromisslosigkeit und Härte der Kämpfe angeht und an die einzigartigen Heroic-Bloodshed Filme von John Woo was Kamera und Stilmittel, während der Shootouts betrifft, ohne jedoch, jemals ganz deren Klasse zu erreichen. Das letzte Drittel ist wirklich genial um nicht zu sagen perfekt und entschädigt doch nahezu komplett die ersten knapp 50 Minuten.

Nun, und genau hier liegt auch der große und einzige Minuspunkt von Flash Point. Bis es richtig los geht verstreicht wirklich fast eine Stunde Spielzeit in der, bis auf einen kleinen Fight am Golf-Abschlagplatz und einem Headshot (leider mit CGI-Blut) auf dem Parkplatz, nahezu keine Action geboten wird. Vielmehr wird versucht eine interessante Story zu erzählen, die man aber ohne Probleme auf einem Bierdeckel niederschreiben könnte. Und genau das, scheint auch Regisseur Wilson Yip bald klar geworden zu sein, also lässt er seine Schauspieler zügig aufeinander los, bevor es peinlich wird. Aber mal ehrlich, wenn ich eine ausgiebige, tiefgreifende Geschichte erleben will, schaue ich mir bestimmt auch keinen Actionfilm an. Dass der Film so gut Funktioniert ist in erster Linie Donnie Yen zu verdanken, der mit seinem charismatischen, emotionalen und coolen Auftreten das Herz und die Aufmerksamkeit des Zuschauers mit Leichtigkeit gewinnt. Auch das restliche Schauspiel-Ensemble meistert die ihnen gestellten Aufgaben mehr als zufriedenstellend. Sehr gefreut hat mich vor allem ein Wiedersehen, mit Kent Cheng (Run and Kill, Dr. Lamb, Bodyguard von Peking) als Inspector Wong, der seine Sache gewohnt souverän macht. Auch Collin Chou als Bösewicht und späterer Gegner für Donnie Yen wird in Erinnerung bleiben. Darüber hinaus bekommt die Langeweile keine Chance sich Auszubreiten, was an der genialen Optik, dem rasanten Sound und der flotten Inszenierung liegt.

Das Gespann Yen/Yip beweist nach dem wunderbaren Sha Po Lang erneut, das Hongkong in Sachen Action (immer noch) eine Ernstzunehmende Größe, und so ganz nebenbei, wieder auf dem Weg zur Pole Position, ist. Selbst eine Korea oder Thailand Produktion kann dem nicht viel entgegensetzen, von Amerika ganz zu Schweigen. Den leichten Actionmangel in der ersten Hälfte machen die Sympathischen Darsteller, eine temporeiche Inszenierung und der überaus spektakuläre Showdown locker wieder wett. So reicht es dennoch für lockere 8 von 10 Punkten, meinerseits. Aber, mit leichter Tendenz nach unten!

Mit einem etwas Höheren Actionanteil wäre ganz leicht die Höchstwertung drin gewesen.

Zur VÖ:

Die dt. Blu-ray von EuroVideo bietet ein erstklassiges Full-HD Bild (2,35:1) und einen nicht minder beeindruckenden deutschen HD-Ton (DTS-HD Master Audio 5.1). Leider liegt dieser natürlich, wiedermal NICHT, in der Konfiguration 7.1 vor. Dafür ist die Disc auch seltenerweise Mal ungeschnitten in der deutschen „keine Jugendfreigabe“ -Version und oberdrauf gibt’s noch ein Wendecover um den hässlichen FSK 18-Flatschen loszuwerden. Sammler-Herz was willst du mehr? Na gut, den deutschen 7.1 DTS-HD Ton, aber man kann eben nicht alles haben, oder wird das Detail für die nächste Veröffentlichung aufgehoben? Na, wir wollen mal nicht alles so schwarzsehen, für so eine Abzocke sind ja eher die Major-Labels bekannt …