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Der Giallo

Der Giallo

Im Vergleich zum heutigen pompösen, brachialen Effektgewitter umgeben von krachendem HD-Sound und zugemüllt mit mehr schlechten als rechten CGI-Effekten, hatte vor knapp 40 Jahren ein Italienisches Genre Hochkonjunktur, das durch seine Inszenierung überzeugte und neben dem Horrorfilm und (Spaghetti)-Western wohl lange Zeit DAS Aushängeschild des Italienischen Kinos war. Zu jener Zeit wurde noch versucht dem Zuschauer eine Geschichte zu erzählen, eingebettet in bezaubernde „reale“ Landschaften, durch die Kamera in wunderschönen Bildern eingefangen und zusammengefügt zu einem (meist) 90 Minuten Werk für die Sinne, wo man kräftig zum Whodunit-Miträtseln angeregt wird, um das Geheimnis noch vor den End-Credits zu lösen und fast jeder, trotzdem, oft geschockt auf die Leinwand starrt, bei der Auflösung von Täter und Motiv. Eine spannende und nachvollziehbare Story war der heimliche Star und nicht eine möglichst bombastische Sinnentleerte Effekt-Orgie wie es heut oft der Fall ist, mit der Geschichte stieg oder fiel der Film. Die Rede ist natürlich vom Giallo …

Gerade wenn man sich spannende (Früh-)Werke wie „Sieben Jungfrauen für den Teufel (1968)“ (Nude... si muore) ansieht, der quasi noch ohne die späteren Genre-Merkmale Sex und Gewalt auskommt, merkt man schnell wie wichtig Story, Location und Charaktere sind. Obwohl in den späteren Werken auch explizite Gewalt anzutreffen war, hat der Giallo nie einen Härtegrad erreicht, wie beispielsweiße Jahre später der Slasher, was nicht daran lag das solche Effekte damals noch nicht zu realisieren waren, wie ein Lucio Fulci mit krassen Splatter und Gore-Szenen immer wieder bewies. Abhängig vom jeweiligen Regisseur hatten die Morde eindeutig (es gibt Ausnahmen) eine Untergeordnete Rolle, spielten sich im Off ab, oder es wurden nur Resultate gezeigt. Das Hauptaugenmerk lag auf einem möglichst großen Spannungsaufbau den der Giallo mit stilvollen Mitteln, wie: Bedrohliche Musikuntermalung, lange Kamerafahrten, Einstellungen und Verfolgungen mit der subjektiven Kamera aus der Sicht des Mörders, interessanten Handlungsorten, surreale Suspense sowie kriminologische Erkenntnisse und Aufarbeitung, erreichte. So entstand eine einzigartige Atmosphäre, die den Zuschauer in den Bann zog. An dieser Stelle sollten vor allem die Genre-Beiträge von Dario Argento erwähnt werden, dessen Virtuoser Erzählstil wohl Maßstäbe setzte. Trotzdem musste sich der Giallo den Vorwurf von Gewaltverherrlichung und Misogynie beugen, was aus heutiger Sicht wohl völlig indiskutabel ist.

Seine Entstehung feierte der Giallo in diversen Groschenromanen, die im Krimi-Genre anzusiedeln sind. Zur besseren Erkennung wurden diese in einem gelben Einband (ital. „Giallo“ = „gelb“) angeboten. Dieser signifikanten äußeren Erscheinung verdanken die Zelluloid- und Literarischen Werke auch ihre prägnante Bezeichnung. Am leichtesten könnte man das Genre Giallo als einen Mix aus Krimi, Thriller, Horror und Erotik mit einem Schuss „Splatter“ definieren. Zumeist geht es dabei um einen schwarz gekleideten Killer (Regenmantel, Hut, Handschuhe), über dessen Identität, der Zuschauer bis zur Auflösung im Dunkeln gelassen und gleichzeitig, durch geschickt gelegte falsche Fährten, in die Irre geführt wird. Übrigens, ein Wes Craven hat Mitte der neunziger Jahre mit seiner genialen Scream-Reihe, trotz eindeutiger Zugehörigkeit zum Slasher-Genre, eben genau dieses Opfer-Täter-Schema wieder aufgegriffen. Die obligatorischen schwarzen Handschuhe, denen meist bei den Mordszenen eine deutliche Beachtung geschenkt wird, haben sich dabei als ein weiteres Genre-Merkmal etabliert.

Zu den ersten typischen Giallo dürfte man wohl Mario Bava’s „Blutige Seide (1964)“ ( Sei donne per l'assassino) zählen. Zwar gilt Bava’s „The Evil Eye (1963)“ (La Ragazza che sapeva troppo) als erster Giallo, doch die für diese Subgenre des Horrorfilms charakteristischen Merkmale kamen erst bei Blutige Seide so langsam zur Geltung. Trotzdem blieb es nach diesen beiden Werken noch 2 Jahre ruhig im Genre. Der große Boom setzte erst ein weiteres Jahr später ein, mit dem Werk „Mann ohne Gesicht (1967)“ (Assasino senza volto) von Angelo Dorigo. Von da an wurde ein Ambitioniertes Projekt nach dem anderen Veröffentlicht und die Masse der Erscheinungen pro Jahr waren fast Unüberschaubar. Nahezu jeder Prominente italienische Regisseur versuchte sich mehr oder weniger Erfolgreich an einem Giallo. Mitte der siebziger Jahre erreichte der Giallo seinen Höhepunkt, was unweigerlich auch einem sehr talentierten Regisseur zu verdanken war, niemand geringerem als Dario Argento, dessen Werk „Rosso - Die Farbe des Todes (1975)“ (Profondo Rosso) mit Meisterlicher Inszenierung überzeugte und regelrecht alle späteren „Argento“-Typischen Markenzeichen perfektionierte. Kurze Zeit später erreichte der Giallo sein vorläufiges Ende, nach Mario Landis „Giallo a Venezia (1979)“ wurde es ruhig, weitere Filme blieben aus. Erst 1982 schaffte es erneut ein Dario Argento mit seinem Meisterwerk „Tenebrae - Der kalte Hauch des Todes“ (Tenebre), ein längst für Tod gehaltenes Genre Wiederzubeleben. Der Atmosphärische Schocker überzeugte durch eine perfekte Regie, fesselnde Story, sympathische Charaktere, nervenzerreißende Spannung, mitreißende Musik, geniale Kamerafahrten und heftige Morde. Verstärkung aus dem Hinterhalt hatte Argento von Lucio Fulci himself, der im selben Jahr seinen Splatter-Bastard „Der New York Ripper“ (Lo Squartatore di New York), der geschockten Öffentlichkeit präsentierte. Die gezeigte Gewalt war für viele Länder wohl zu viel, weshalb der Film, wie in Deutschland, verboten wurde. Trotzdem inspirierte Fulci’s Gore-Schocker wohl unzählige Regisseure, vorwiegend des Slasher-Genres, außerdem wurde nicht mit Extremem, ausgeprägten, langen und qualvollen Morden gegeizt, weswegen der Film auch auf der Gratwanderung zwischen den Genres Slasher und Giallo hin und her wankt. Neben diesen beiden Highlights erschienen in den darauffolgenden Jahren noch einige weitere Werke bis spät in die neunziger hinein. Doch die Anzahl war nun überschaubarer und die Qualität hatte stark nachgelassen. Bis auf wenige Ausnahmen war die Blütezeit des Giallo wohl eindeutig vorbei, nur wenige schafften es noch an den qualitativen Standard, längst Vergangener Tage, anzuknüpfen. Gerade einem Dario Argento muss ich an dieser Stelle wieder meinen Tribut zollen, verfügt doch sein 93er Werk „Aura - Trauma“ über alle die Zutaten, die einen Giallo so interessant machen. Auch Argento’s vorerst letzte Interpretation des Genre-Stoffes „Sleepless (2001)“ (Non ho sonno) schaffte es, durch alte Tugenden, zu Begeistern. Der meines Wissens bis jetzt letzte Genre-Beitrag erschien 2004, mit dem beachtlichen Werk „Eyes of Crystal - Die Angst in deinen Augen“ (Occhi di cristallo) von Eros Puglielli. Mit ungeheurer Faszination, wird der Zuschauer, durch grandiose, dichte und unheimliche Atmosphäre, mitgerissen und erwartet Fingernägel kauend, die Auflösung des Rätsels. Und genau dafür lieben wir die Giallos. Doch leider, ist es seitdem, sehr still geworden …

Das sind natürlich nur die wichtigsten Stationen in der History des Giallo. Bei der Unmenge an Erscheinungen habe ich mich dafür entschieden eine Aufzählung der Filme erst am Ende des Textes hinzuzufügen aber da es fast Unmöglich ist, alle je Erschienenen Giallos zu nennen, werde ich mich dabei auf die deutschen Veröffentlichungen konzentrieren, sowie auf den Deutschen- und Originaltitel.

Ach so, die völlig übertriebenen, reißerischen und schlicht und ergreifend dämlichen deutschen Namensgebungen, von den meisten Giallo‘s (s. unten), kann man eigentlich nur noch mit einem Augenzwinkern betrachten. Haben diese „Eindeutschungen“ doch im Schnitt nicht im Entferntesten etwas mit dem Film zu tun und erwecken womöglich sogar falsche Vorstellungen. Okay, lassen wir die Titel sprechen …





- TRAUMA aka AURA (Trauma)

- STENDHAL SYNDROM, THE (La Sindrome di Stendhal)

- BLUTIGE SEIDE (Sei donne per l'assassino)

- DREI GESICHTER DER FURCHT, DIE (I Tre volti della paura)

- SLEEPLESS (Non ho sonno)

- RIPPER KOMMT AUF LEISEN SOHLEN, DER (Casa D'Appuntamento)

- SCHWANZ DES SKORPIONS, DER (La Coda dello scorpione)

- TRIEBMÖRDER, DER (La Bestia Uccide A Sangue Freddo)

- SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL (Rivelazioni di un maniaco sessuale al capo della squadra mobile)

- DRITTE AUGE, DAS
(Il Terzo occhio)

- BLUTIGER SCHATTEN (Solamente nero)

- FRAUENMÖRDER MIT DER HUTNADEL, DER aka MURDER ROCK (Murderock - uccide a passo di danza)

- NACHT DER BLANKEN MESSER, DIE (Nude per l'assassino)

- EYES OF CRYSTAL - DIE ANGST IN DEINEN AUGEN (Occhi di cristallo)

- DO YOU LIKE HITCHCOCK? (Ti piace Hitchcock?)

- NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE, DIE (Passi di danza su una lama di rasoio)

- ROSSO - DIE FARBE DES TODES (Profondo Rosso)

- TENEBRAE (Tenebre)

- HAUS MIT DEM DUNKLEN KELLER, DAS (La Casa con la Scala nel Buio)

- ORGIE DES TODES (Enigma rosso)

- SPASMO (Spasmo)

- CHILD, THE - DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM (Chi l'ha vista morire)

- BLUTSPUR IM PARK (Una Farfalla con le ali insanguinate)

- ROTE DAME, DIE - THE RED QUEEN KILLS 7 TIMES (La Dama rossa uccide sette volte)

- NIGHTMARE BEACH (Nightmare Beach)

- WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (Don't Look Now)

- TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER, DER (La Polizia chiede aiuto)

- KILLER VON WIEN, DER (Lo Strano vizio della Signora Wardh)

- HATCHET FOR THE HONEYMOON (Il Rosso segno della follia)

- GESTÄNDNIS EINER NONNE (Suor Omicidi)

- SONNTAGSFRAU, DIE (La Donna della domenica)

- MANN OHNE GEDÄCHTNIS, DER (L' Uomo senza memoria)

- NEUNSCHWÄNZIGE KATZE, DIE (Il Gatto a nove code)

- PULSSCHLAG DES TODES aka GHOSTKILLER (5 donne per l'assassino)

- TODESENGEL, DER (La Vittima designata)

- FARBEN DER NACHT, DIE (Tutti i colori del buio)

- LABYRINTH DES SCHRECKENS (Gatti rossi in un labirinto di vetro)

- KILLER SIND UNSERE GÄSTE (Gli Assassini sono nostri ospiti)

- NIGHT RIPPER - DAS MONSTER VON FLORENZ (Il Mostro di Firenze)

- BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM, DIE
(L' Iguana dalla lingua di fuoco)

- TORSO - DIE SÄGE DES TEUFELS (I Corpi presentano tracce di violenza carnale)

- MANN GEGEN DIE MAFIA, EIN (La Ragazza Dal Pigiama Giallo)

- GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, DAS (L' Uccello dalle piume di cristallo)

- VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT (4 mosche di velluto grigio)

- SUSPECTED DEATH OF A MINOR (Morte sospetta di una minorenne)

- TEUFEL MIT DEN 7 GESICHTERN, DER (Il Diavolo a sette facce)

- NACHT IN DER EVELYN AUS DEM GRAB KAM, DIE (La Notte che Evelyn uscì dalla tomba)

- GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL, DAS (Cosa avete fatto a Solange?)

- GESICHT IM DUNKELN, DAS (A doppia faccia)

- RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS, DAS (Sette orchidee macchiate di rosso)

- GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES, DAS (L' Etrusco uccide ancora)

- 7 TOTE IN DEN AUGEN DER KATZE (La Morte negli occhi del gatto)

- FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT 2 (Baba Yaga)

- AUTOPSIE IM COLLEGE - FEUERSTOSS
(Una Magnum Special per Tony Saitta)

- BLOW-UP (Blowup)

- SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL (Nude... si muore)

- GEHEIMNIS DES MAGISCHEN KREISES, DAS aka BLUTIGE MAGIE (Malocchio)

- AUTOPSIE - HOSPITAL DER LEBENDEN LEICHEN (Macchie solari)

- MY DEAR KILLER aka TIME TO KILL, DARLING! (Mio caro assassin)

- GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE, DAS aka DER SATAN MIT DEM SKALPELL (Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer?)

- BYLETH - DER DÄMON MIT DEN BLUTIGEN FINGERN aka TRIO DER LUST aka BYLETH – HORRORSEX IM GEISTERSCHLOSS (Byleth)

- KÄFIG, DER aka THE TRAP (La Gabbia)

- MADHOUSE - PARTY DES SCHRECKENS (There was a Little Girl)

- TODESSYNDROM, DAS (Malastrana)





Da es sich bei den Giallos um mein absolutes Lieblings-Genre handelt, bin ich der „B-Side of Slasher Movie“ hoffentlich gerecht geworden! Meine Liebe zum Giallo bleibt bestehen auch wenn das Kapitel heut nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, und in Vergessenheit geraten ist. Die DVD/Blu-ray Anbieter finden hoffentlich noch einige Verschollene Filmperlen im stillen Kämmerlein, irgendwelcher Produktionsfirmen.





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